Spotlight Stories "Read the Room. Lead the Room" mit Dr. Miriam Knöbel

Dr. Miriam Knöbel, ausgebildete Profilerin, zeigt in diesem Interview, wie Führungskräfte Atmosphäre lesen, Nicken von Zustimmung unterscheiden und psychologische Sicherheit schaffen. Ein Nachbericht mit den wichtigsten Gedanken für dein nächstes Teammeeting.

1ST ROW & WOMEN SPEAKER
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November 2, 2026
Spotlight Stories. Im Interview Melanie von Groll, Expertin für interkulturelle Führung

Den Raum lesen: Warum Führung mit Wahrnehmung beginnt

Du betrittst einen Raum. Niemand hat ein Wort gesagt. Und trotzdem weißt du nach zwei Sekunden: Hier knistert es. Oder hier steht die Luft.

Was machst du mit diesem Gefühl?

Genau darum ging es in der aktuellen Folge von Spotlight Stories. Gast war Dr. Miriam Knöbel. Sie ist ausgebildete Profilerin und berät Unternehmen im Wandel. Ihre Themen sind Kulturwandel, New Work, moderne Führung, emotionale Intelligenz und Neuroleadership. Aus all dem hat sie ihre neue Keynote gebaut: „Read the Room. Lead the Room.“

Ihre Antwort auf die Frage, was der Titel in einem Satz bedeutet, klingt so: Führung beginnt für sie immer mit Wahrnehmung. Die Wirksamkeit zeigt sich darin, was wir daraus machen.

Wahrnehmung ist trainierbar

Miriam Knöbel hat in ihrer Arbeit eine geschärfte Beobachtungsgabe entwickelt. Dazu gehören Mimik, Körpersprache und Gestik. Dazu gehört aber auch die Frage: Wo bin ich hier eigentlich? Welche Risiken stecken in dieser Situation?

Der entscheidende Unterschied liegt für sie woanders. Man kann eine Beobachtung haben und sie sofort als Wahrheit abspeichern. Oder man prüft sie. Ihre Fragen dabei:

  • Was beobachte ich gerade?
  • Was schließe ich daraus?
  • Stimmt das mit der Realität überein?

Ihr Startpunkt ist eine Grundhaltung, die sie konsequente positive Unterstellung (KPU) nennt. Erst einmal jedem zutrauen, dass er es gut meint. Das klingt naiv? Ist es nicht. Es nimmt dir nur die Brille ab, durch die du sonst jeden Menschen schon im Kopf einsortierst.

Das Nicken-Problem im Teammeeting

Kennst du das? Das Meeting ist vorbei. Alle nicken. Alle gehen raus. Und alle denken: Super, wir sind uns einig.

Miriam Knöbel sagt: Das Nicken kann viel mehr bedeuten als Zustimmung. Vielleicht war die psychologische Sicherheit im Raum zu gering, um eine Rückfrage zu stellen. Vielleicht weiß jemand, dass Widerspruch Konsequenzen hat. In jeder Organisation wirken diese unsichtbaren Schattenmächte mit.

Ihre Tipps für alle, die ein Meeting leiten:

  1. Konsent statt Konsens. Vereinbart vorab: Wenn niemand einen schwerwiegenden Einwand hat, können wir damit leben. Auch wenn es nicht die erste Wahl war. Das ist ein deutlich ehrlicheres Ziel als „Wir sind alle einer Meinung“.
  2. Auf Muster achten. Wer widerspricht? Wer beteiligt sich? Wer ist überraschend still? Ihr Satz dazu: Wenn die Lauten leise werden, ist das ein Anzeichen. Dann lohnt es sich, einzelne Personen gezielt zu fragen.
  3. Nachbereiten. Was habe ich wahrgenommen? Diese Frage gehört nach jedem wichtigen Meeting auf die eigene Liste.
  4. Rollen verteilen. Wer führt durch das Meeting? Wer protokolliert? Und wer achtet darauf, wie die Stimmung kippt? Miriam Knöbel nennt das eine Energiemanagerin oder einen Energiemanager. Diese Person fragt sich: Entsteht hier gerade Unmut, der nicht ausgesprochen wird?

KI-Notetaker sind dabei hilfreich, aber sie hören nur die Tonspur. Das Nonverbale bleibt Menschensache.

Psychologische Sicherheit beginnt bei dir

Hier wird es für Miriam Knöbel persönlich. Ihr oberstes Credo ist moralische Integrität: das tun, was man sagt.

Wer Worte und Taten auseinanderlaufen lässt, wirkt auf Dauer unberechenbar. Wer beides zusammenbringt, schafft Verlässlichkeit. Und Verlässlichkeit ist für sie die Basis, auf der psychologische Sicherheit im Team wachsen kann.

Ihr Fazit: Führung ist im ersten Schritt immer auch Selbstführung. Bevor du fragst, was dein Team braucht, frag dich, was du selbst zur guten Atmosphäre beitragen kannst.

Einfache Hebel? Die gibt es laut Miriam Knöbel nicht. Das Thema ist komplex. Trotzdem gibt es Stellschrauben, an denen Führung drehen kann:

  • der Umgang mit Widerspruch
  • Transparenz in der eigenen Kommunikation
  • die Art, wie Informationen durch die Organisation laufen
  • Beteiligung und Raum für offene Fragen

Ihr Satz dazu: „Atmosphäre ist für mich kein objektives Messgerät.“ Sie lässt sich nicht ablesen wie eine Temperatur. Aber sie lässt sich beeinflussen.

Wenn es knistert: Spannung ansprechen, ohne sie anzuheizen

Was tun, wenn du die Spannung spürst? Miriam Knöbel empfiehlt keine Geheimwaffe, sondern eine Haltung: offen fragen, ohne sofort eine Absicht zu unterstellen.

Ein Beispiel, das sie im Gespräch selbst durchgespielt hat:

„Ihr seid heute so ruhig. Was ist los?“

Das wirkt schnell wie ein Vorwurf. Es eskaliert eher, als dass es klärt. Besser ist eine offene Frage. Zum Beispiel: „Mir fällt auf, dass wir heute zurückhaltender sind als sonst. Wie erlebt ihr das gerade?“

Ihr Rat für konkrete Situationen:

  • Erst beobachten: Wer spricht? Wer schweigt? Wie werden Beiträge aufgenommen? Was ist anders als sonst?
  • Nicht automatisch Zustimmung vermuten: Wenig Rückfragen heißt nicht, dass alles klar ist. Frag lieber: Was sollten wir noch besprechen, bevor wir weitergehen?
  • Nicht zuschreiben: Wenn jemand den Kopf auf die Hand stützt, ist das noch kein Zeichen für Langeweile. Frag nach. „Sitzt du gerade bequem? Passt es dir?“ Dann weißt du es.
  • Nicht jede Spannung auflösen: Manchmal muss man sie kurz stehen lassen. Nicht jede Situation braucht sofort Deeskalation.

Für ihre Arbeit als Profilerin gilt übrigens auch: Der Mythos vom Menschen, der dich anschaut und dir sofort alles über dich verrät, existiert nicht. Wer das glaubt, hört auf zu fragen. Und genau das wäre der Fehler.

Online ist es schwerer, aber nicht unmöglich

Im Onlinemeeting fehlt der erste Eindruck beim Betreten des Raums. Das Bild ist zweidimensional und zeigt nur einen Ausschnitt. Viele Menschen sitzen mit verschränkten Armen vor der Kamera und sagen wenig.

Miriam Knöbel empfiehlt in hybriden Settings sogenannte Tandems: Jede Person im Raum bekommt eine digitale Teilnehmerin oder einen digitalen Teilnehmer als Partner zugeteilt. So entsteht mehr Einbindung für alle, die nicht vor Ort sind.

Und: Kamera an. Ohne sichtbare Gesichter ist es fast unmöglich, Spannung zu lesen.

Was du ab morgen tun kannst

Der wichtigste Gedanke aus dem Gespräch steht schnell im Kalender: Stell deine eigene Wahrnehmung einmal am Tag infrage.

Miriam Knöbel formuliert es so: „Ich finde, das sollte jeder grundsätzlich einmal am Tag tun: die eigene Wahrnehmung infrage stellen.“ Und dazu gehört die Erkenntnis, dass nicht alles, was in deinem Kopf passiert, auch im Kopf der anderen passiert. Du kannst nicht hineinschauen. Du kannst nur fragen und dem Gegenüber vertrauen, dass es ehrlich antwortet.

Ihr Vorschlag für den Alltag: Ordne Menschen nicht zu schnell ein. „Die ist schwierig.“ „Der ist wortkarg.“ „Die muss man immer hinterherrennen.“ Bessere Beobachtungen und bessere Fragen helfen, genau diese vorschnellen Zuschreibungen zu vermeiden.

Dein nächster Schritt

  • Miriam Knöbel buchen: Sie ist in unserer WOMEN SPEAKER Datenbank gelistet, also für dein nächstes Event oder dein Unternehmen buchbar. Alle Speakerinnen findest du unter WOMEN SPEAKER.
  • Dranbleiben: Trage dir direkt einen Termin im Kalender ein, um deine Wahrnehmung einmal in Frage zu stellen. Schreib uns an info@1st-row.de, wenn du Fragen hast.‍
  • Nächste Folge: Victoria Buckler spricht in der nächsten Spotlight Story über die Wechseljahre. Thema: Wie Unternehmen Frauen in den Wechseljahren unterstützen und deren Know-how nutzen können.
  • Community: Netzwerken und Events findest du in der 1ST ROW Community.

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Regina Mehler gründete 2012 die Women Speaker Foundation, weil Frauen auf Bühnen fehlten – und weil Expertise sichtbar sein muss, nicht nur Lautstärke. Heute bringt 1ST ROW & WOMEN SPEAKER Expertinnen auf Keynotes, Panels und in Workshops, unterstützt sie bei Positionierung und Performance und hilft Unternehmen, echte Diversity auf ihren Events zu zeigen. Sichtbarkeit ist kein Ego-Act, sondern Verantwortung und strategisches Handwerk. Wir sind das Original seit 2012 – mit Community-Power, Haltung und einem klaren Ziel: Frauen in die erste Reihe. Für Wirkung, nicht Quote.