Die Zukunft von Kind und Karriere

Obwohl es einen Trend gibt, die Elternzeit gleichermaßen zwischen Müttern und Vätern aufzuteilen, ist die Geburt eines Kindes nach wie vor für viele Frauen ein regelrechter Karrierekiller. Dabei ist dies erstens arbeitsrechtlich gar nicht zulässig und zweitens auch gar nicht nötig. Smaro Sideri ist Anwältin für Arbeitsrecht und hat sich auf die Zukunft der Arbeitswelt spezialisiert. Wir haben mit ihr über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen.

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February 5, 2024

So gelingt Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Elternzeit – ein schöner und wichtiger Lebensabschnitt, der jedoch immer noch allzu oft einen schmerzhaften Wendepunkt in der Karriere markiert. Obwohl viele Arbeitgeber:innen sich – vor allem aus Eigeninteresse! – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie groß auf die Fahnen schreiben, sieht die Realität häufig ganz anders aus: Die Elternzeit wird für viele zu einem regelrechten Karrierekiller.

Traditionell fokussiert sich bei diesem Thema die Perspektive auf die Frauen: Sie sind entweder zu jung, könnten bald Kinder bekommen, oder haben kleine Kinder, die ihre Verfügbarkeit beeinträchtigen, oder sind nach einer längeren Kinderbetreuungspause „zu lange raus“ oder zu alt, um wieder Anschluss zu finden. Das alles sind tief verinnerlichte Stereotypen, und so müssen Frauen, die in Elternzeit gehen, nach ihrer Rückkehr mit zahlreichen Benachteiligungen rechnen. Statistiken und Studien stützen diese Beobachtung.

Ein internationaler Vergleich offenbart, dass Länder wie Schweden und Norwegen mit Elternzeit und Karriere anders umgehen als wir und ausgewogenere Modelle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten. Dies liegt nicht am Land an sich, sondern an dessen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den sich daraus ergebenden Unternehmenskulturen und Führungsstilen. Diese Faktoren bestimmen, ob und wie eine Integration von Elternzeit in die Karriereplanung stattfindet.

Die Elternzeit ist deswegen so relevant, weil ihre Auswirkungen auf die jeweilige Karriere- und auch Unternehmensentwicklung immens sein können. Dies zeigen uns zahlreiche Erfahrungsberichte aus unserem Netzwerk. Es braucht gleichermaßen Empfehlungen für Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, damit Familie und Beruf in Zukunft noch besser miteinandervereinbar sind.

Welche Trends zeichnen sich am Markt ab, und welche gesetzlichen Änderungen könnten die Vereinbarkeit von Elternzeit und Karriere in Zukunft beeinflussen? Die renommierte Anwältin für Arbeitsrecht, Smaro Sideri, beantwortet wichtige Fragen zum Thema und stellt Lösungskonzepte für Arbeitgebende vor, um die wichtige Mitarbeiterressource, die Eltern sind, nicht unnötig zu vergeben.

 

Ist Mutter werden ein Karrierekiller?

Das muss es nicht sein, nur leider kommt es in vielen Fällen vor, dass Mütter häufig länger in Elternzeit gehen und die Elternzeit nicht mit dem Vater aufgeteilt wird und das leider häufig dafür sorgt, dass ein spürbarer Karriereknick entsteht.

Wie ist die Rückkehr nach der Elternzeit rechtlich geregelt und wie sieht dagegen die Realität aus?

Da der Arbeitsvertrag während der Elternzeit lediglich ruht und nicht aufgehoben ist, ist die Rückkehr am bisherigen Arbeitsplatz vorgesehen. Sollte der bisherige Arbeitsplatz (fälschlicherweise) besetzt sein oder nicht mehr bestehen, besteht ein Anspruch auf vertragsgemäße Beschäftigung. Also eine Beschäftigung entsprechend der arbeitsvertraglichen Tätigkeit bzw. der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. Aus diesem Grund ist es sehr zu empfehlen, vor Beginn der Elternzeit ein Zwischenzeugnis anzufordern.

Stehen Väter, die Elternzeit nehmen, vor den gleichen Herausforderungen wie Mütter?

Wenn sie mehr als die (Standard) zwei Monate nehmen wollen, begegnen Vätern teilweise noch mehr Herausforderungen, da eine längere Elternzeit als mangelndes Interesse an der Karriere gesehen wird.

Warum werden Mütter häufig nach der Rückkehr aus der Elternzeit "degradiert", obwohl Fachkräfteverlust für Unternehmen kostspielig ist?

Leider wird von Unternehmensseite selten eine strategische Rückkehrplanung vorgenommen. Die Elternzeit wird nicht gemeinsam besprochen und geplant. Häufig findet während der Elternzeit gar kein Kontakt statt. Manche Unternehmen gehen davon aus, dass nach der Elternzeit keine Rückkehr erfolgt und sind quasi überrascht, wenn Mütter ihre Rückkehr ankündigen. Es fehlt aus meiner Sicht an einer lebensphasenorientierten Personalstrategie seitens der Arbeitgeber.

Wie sollten Arbeitgeber:innen idealerweise mit dem Thema Elternzeit umgehen?

Idealerweise sollte die Elternzeit als normaler Verlauf in der Lebensphase und auch im Arbeitsverhältnis eingeplant sein. Dazu sollte ein strukturierter geplanter Prozess in der Personalabteilung bestehen für eine begleitete Elternzeit mit einem Kotakthalteplan und einem Rückkehrplan. Die Rückkehr nach der Elternzeit sollte bereits vor dem Mutterschutz besprochen und ggf. verschiedene Szenarien besprochen werden. 

Gibt es Vorbilder im Markt, die den Umgang mit Elternzeit bereits erfolgreich gestalten und als Vorbild dienen können?

Mir ist hierzu IKEA bekannt und auch die Firma Adacor. Sicherlich gibt es einige mehr. Bei SAP gibt eigene Mütter und Väternetzwerke.

Gibt es spezielle Programme von Unternehmen, die Eltern bei der Rückkehr in den Beruf unterstützen?

Offizielle Programme gibt es nicht. Einige Unternehmen haben aber eigene Programme entwickelt.

Es gibt aber z.B. die Möglichkeit eigene Mitarbeiter/innen als sog. Elternguides auszubilden, die werdenden und rückkehrenden Eltern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Diese Ausbildung dauert zwei Tage und wird zum Beispiel über den Anbieter Elvisory angeboten.

 

Vielen Dank, Smaro Sideri!

 

Fazit:

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfolgreich zu gestalten, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung von Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen. Die Elternzeit sollte nicht länger als Karrierehindernis betrachtet werden, sondern als eine wichtige Lebensphase, die unterstützt und integriert werden muss. Es ist an der Zeit, dass Unternehmen eine lebensphasenorientierte Personalstrategie entwickeln und strukturierte Prozesse für die Elternzeit implementieren. Durch einen geplanten und begleiteten Rückkehrprozess sowie unterstützende Programme können wir sicherstellen, dass talentierte Fachkräfte nicht verloren gehen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr nur eine leere Worthülse bleibt.

Wenn auch Sie smarte Lösungen für Ihr Unternehmen suchen oder Fragen zu lebensphasenorientierten Personalstrategie haben, buchen Sie Vorträge oder Beratungen von Smaro Sideri über unsere Website.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, eine Arbeitswelt zu schaffen, in der Elternzeit kein Karrierekiller mehr ist, sondern eine selbstverständliche Phase im Berufsleben jedes Menschen.

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Obwohl es einen Trend gibt, die Elternzeit gleichermaßen zwischen Müttern und Vätern aufzuteilen, ist die Geburt eines Kindes nach wie vor für viele Frauen ein regelrechter Karrierekiller. Dabei ist dies erstens arbeitsrechtlich gar nicht zulässig und zweitens auch gar nicht nötig. Smaro Sideri ist Anwältin für Arbeitsrecht und hat sich auf die Zukunft der Arbeitswelt spezialisiert. Wir haben mit ihr über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen.

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